Museumsverein Hohenwestedt e.V.

Unsere Exponate 2015

  1. 2015-12   Der Krögersche Koffer
  2. 2015-09   Die Schlingelbank
  3. 2015-08   Die Teigmulde
  4. 2015-07   Der Betelnuss-Knacker
  5. 2015-06   Der Torfschuh für Pferde

Der Krögersche Koffer

Passend zur aktuellen Kröger-Ausstellung vermachte Frau Helene Vollert, geb. Kröger aus Haale, die noch heute auf dem Krögerschen Anwesen wohnt, dem Heimatmuseum einen alten Koffer der Familie Kröger, der auf dem Dachboden der alten Kate aufbewahrt wurde. Er gehörte ihrem Großvater Otto Kröger, der 1869 geboren wurde. Ob der Koffer allerdings bereits zuvor im Besitz seines Vaters  Hans Kröger, Bruder von Timm Kröger, war, bleibt ungewiss. Denkbar wäre es schon, denn Hans Kröger musste als Schöffe nach Kiel fahren. Für diese kleine Reise, die es zu damaliger Zeit sicherlich war, war ein Reisekoffer, in dem man sein Hab und Gut transportieren konnte, ein hilfreiches Utensil.

Sicher aber ist nach Auskunft von Frau Vollert, dass ihr Großvater Otto den Koffer häufig benutzt hat. Er fuhr jahrelang nach Hanerau ins Mannhardtsche Institut zur Schule und blieb dort immer eine längere Zeit, bevor er wieder nach Hause kam. Später diente er als Soldat drei Jahre lang in Demmin (heute Mecklenburg-Vorpommern) bei der Kavallerie; auch hier nutzte er den Koffer als Reiseutensil für seine Sachen.

Das hohe Alter dieses Koffers hat seine Gebrauchsspuren hinterlassen; dennoch hat das damals verwendete Leder bis heute gehalten. Ein Schloss und zwei Riemen an der Vorderseite dienten der Sicherheit; der Tragegriff war an der Seite des Koffers befestigt, damit der Koffer aufrecht hingestellt werden konnte. Die aufgesetzten Holzleisten haben sicher zum Schutz des Leders beigetragen, wenn der Koffer transportiert oder geschoben wurde. Denn mit Einsetzen der Eisenbahn als Verkehrsmittel im 19. Jahrhundert kamen stabile Koffertruhen mit Holzkorpus und flachem Deckel in Mode, die das Aufeinanderstapeln im Gepäckwaggon erleichterten.

Aus Leder gearbeitet, besteht unser Koffer aus zwei flachen aufeinander liegenden Schalen. Das Bahnabteil erforderte damals Koffer, die im Gepäcknetz oder unter den Sitzen verstaut werden konnten. Der Begriff "Koffer" stammt übrigens vom altfranzösischem Wort "coffre". Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte sich der Begriff Reisekoffer durch. Diese wurden früher in Handwerksbetrieben hergestellt. Tischler fertigten Holzkästen an, die Täschner anschließend mit Leder bezogen. Danach brachten Schlosser Beschläge und Schlösser an. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden diese Produktionsprozesse in Fabriken zusammengefasst. Der Koffer wurde zum Massenprodukt, da der Reiseverkehr enorm zunahm. So zeugt auch der Kögersche Koffer von einer Mobilität in vergangener Zeit und bereichert die Ausstellung im Heimatmuseum.

Exponat September 2015: Die Schlingelbank

Fiete Radmer kennt sie noch, die Schlingelbank

Die wichtigsten Unterrichtsziele zu Uromas Zeiten waren Gehorsam, Fleiß, Ordnung und Sauberkeit. Die Schüler mussten auf jedes Zeichen des Lehrers gehorchen und seine Befehle möglichst auch noch geräuschlos ausführen. Auch wurden die Kinder damals dazu erzogen, im Takt zu arbeiten und sich im Takt zu bewegen. So musste das Aufstehen, das Hinsetzen, das Auspacken der Tafel, das Schönschreiben von Buchstaben, das Betreten und Verlassen der Schule immer nach bestimmten Zeichen des Lehrers gleichzeitig und im Takt ablaufen. Alles lief also mehr oder weniger nach dem Kommando des Lehrers ab und hatte viel Ähnlichkeit mit militärischem Drill. Schlimm für den Schüler wurde es in dem Moment, wenn er nicht parierte, aus der Reihe tanzte, vergesslich oder ungezogen war. Dann erwarteten ihn zum Teil heftige und (für heutige Maßstäbe) drakonische Strafen.

Dabei waren Jahrhunderte hindurch, bis Anfang des 20. Jahrhunderts, körperliche Strafen an Schulen als Erziehungsmaßnahme gang und gäbe. Der Rohrstock war ein beliebtes „pädagogisches“ Erziehungsmittel. Die Hohenwestedter Volksschule führte sogenannte Strafprotokollbücher für die unterschiedlichen Klassen. Aus einem Straf – Protokollbuch der „1. Klasse der Volksschule zu Hohenwestedt – Knabenoberklasse“ für die Zeit von 1900 bis 1928 ist zu entnehmen: Am 22. Mai 1900 bekam Fritz Kawaleck „4 für den Hintern“ wegen „fortgeführter Faulheit“ Der Schüler Kawaleck wurde im laufenden Schuljahr noch weitere dreimal wegen ähnlicher Gründe für die Züchtigung aufgeführt – und jedes Mal gab es vier Schläge auf das Gesäß.

Besonders aktiv war damals Oberlehrer Heinrich Bevensee, der wegen „maßloser Anwendung körperlicher Züchtigung“ mehrfach Ermahnungen und Verweise erhielt und schließlich wegen „wiederholten Mißbrauchs des Züchtigungsrechts in den letzten Jahren“ zu einer Ordnungsstrafe von 30 Mark ! verurteilt wurde. Dennoch erhielt Bevensee 1906 die „Ernennung zum ersten Rektor der Volksschule Hohenwestedt.“

Auch die Schule Mörel führte nachweislich solche Strafprotokolle. Das heißt aber nicht, dass an den anderen Schulen die Prügelstrafe nicht angewendet wurde – es wurde nur nicht dokumentiert oder die Protokolle sind verschwunden. Zu den fragwürdigen Erziehungsmethoden der damaligen Zeit gehörten zweifelsohne die »Schlingelbank« und das „Eckenstehen“. Auf diese Bank, die meist vorne neben dem Pult des Lehrers stand, kamen aber etwa nicht nur die »Schlingel«, sondern auch die Ungeschickten. Gerade bei Ungeschicklichkeiten, die z.B. beim Stricken oder Häckeln, das auch die Jungs erlernen mussten, leicht passieren konnten, wurde man an den Pranger gestellt: Oftmals nur rein symbolisch – aber die Schande, die fürchterliche Schande vor der gesamten Klasse!

Heutzutage findet das „An-den-Pranger-Stellen“ auf andere Weise und nicht mehr durch den Lehrer statt: Auf facebook oder bei Twitter findet man genügend Beispiele für diese Form der Demütigung – hervorgerufen durch die eigenen Schulkameraden!

Exponat August 2015: Die Teigmulde

Es war Schwerstarbeit für die Bäcker, die Brotteige mit der Hand zu kneten - früher, bevor es Knetmaschinen in der Backstube gab. Bei der bekannten Backstubenhitze war es vor allem eine schweißtreibende Angelegenheit, die Muldenfüllung, manchmal bis zu 60 kg schwer, nur mit der Arme und Hände Kraft durchzuwalken. So war es nicht verwunderlich, dass, wie die Überlieferung berichtet, die Bäcker einstmals im alten Rom vorwiegend Sklaven aus den germanischen Stämmen rekrutierten. Diese wurden wegen ihrer ungeheuren Kraft geschätzt und für ihre hervorragende Backkunst bewundert. Aber nicht nur die Bäcker, sondern auch viele Bauersfrauen mussten diese Arbeit verrichten. Man traf sich dann vor dem Gemeinschaftsbackhaus im Dorf zum allwöchentlichen Brotbacken, zumal sich viele Höfe noch keinen eigenen Backofen leisten konnten. Der Teig wurde angemengt und in der Teigmulde geknetet, mit dem Teigkratzer portioniert und die Brotlaibe auf Bleche oder Holzbretter gelegt und dann mit dem Brotschieber in den mit Holz betriebenen Backofen geschoben und mehrere Stunden gebacken. Die ersten Teigmulden wurden aus ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt. In Bauernhäusern sieht man noch oft diese Art, später wurden sie aus Brettern zusammengefügt. Die Mulde im Heimatmuseum Hohenwestedt ist ein Exemplar aus Pappelholz, wie sie wohl in kleineren Bäckereien oder auf Bauernhöfen verwendet wurde, und ca. 100 Jahre alt. Die normale Mulde war 1,5 m bis 2 m lang und wurde mit einer geteilten Holzplatte abgedeckt, die zugleich als Teigtisch diente.

Exponat Juli 2015: Der Betelnuss-Knacker

Ein besonderes Exemplar eines Nussknackers hat das Heimatmuseum Hohenwestedt vom Kaufhaus Mehrwert, der früheren Möbelbörse der rabs, erwerben können – einen Betelnuss – Knacker. Wie schon häufiger zuvor informierte die Leiterin des Kaufhauses Dörte Tilinski den Museumsverein Hohenwestedt, dass wieder einmal etwas Besonderes eingetroffen sei, eben besagter Nussknacker. Obwohl das Objekt eher im mittelasiatischen Raum anzutreffen ist, ergänzt es dennoch das Sortiment an exotischen Dingen aus aller Welt im Heimatmuseum und soll daher auch als Exponat des Monats Juli hervorgehoben werden. Der reich mit Ornamenten verzierte Betelnuss – Knacker dient dazu, Betelnüsse zu zerkleinern. Mit seiner scharfen Schneidefläche ist er daher eher als Schneidegerät denn als herkömmlicher Nussknacker zu sehen. Die Betelnusspalme ist eine alte Kulturpflanze, die in ganz Südostasien von Malaysia bis zu den Inseln der Salomonen, nordöstlich bis Taiwan und den Philippinen, südlich bis nach Nordaustralien verbreitet ist. Die Betelnuss ist in Taiwan allgegenwärtig. Eingepackt in grüne Blätter wird sie an Ständen verkauft, oft von leichtbekleideten Frauen in Glaskabinen. Beliebt ist die Nuss vor allem bei Lastwagenfahrern und Bauarbeitern. Sie hält den Geist wach, wenn der Körper schon müde ist. Der Konsum von Betelnüssen führt zum einen zu stark vermehrtem Speichelfluss und erhöht das Wohlbefinden. Zum anderen dämpft er den Appetit. Unreife Betelnüsse werden kleingehackt und gekaut. Üblicherweise werden diese dazu in mit gelöschtem Kalk bestrichene Blätter gerollt, welche nicht von der Betelpalme, sondern vom sogenannten Betelpfeffer stammen, was dann als Betelbissen bezeichnet wird. Wegen des bitteren Geschmacks werden häufig Gewürze wie Pfefferminze, Lakritze oder auch Kautabak hinzugegeben. Die Wirkstoffe der Nuss, Alkaloide, werden nach dem Kauen im Mund direkt resorbiert und passieren rasch die Blut-Hirn-Schranke, was gegen Ermüdung wirkt. Wenn man es oft benutzt, verfärben sich die Zähne und der Mund tiefrot. Das Betelkauen wird seit Jahrhunderten praktiziert, aktuellen Schätzungen zufolge in Ostafrika und Asien von mehr als 450 Millionen Menschen.

Das Exponat Juni 2015: Torfschuhe für Pferde

Das Bild vom Moor wurde geprägt von abergläubischen Vorstellungen und heimlichen Ängsten: die nächtlichen Irrlichter, der Gedanke an Moorleichen, der endlos schwankende und unberechenbare Sumpf - Facetten einer Landschaft, auf der bis zum Horizont kein Haus, kein Strauch und nur hin und wieder Heidekraut, einige krüppelige Baumgestalten, ein paar Binsen und harte Gräser zu sehen waren. All das führte zu einer Sonderstellung der Moore in Volksglauben und Kunst. Und dennoch: Das Torfstechen war echte Knochenarbeit, die vorwiegend von Männern verrichtet wurde und deren Lohn nicht selten Krankheiten wie Gicht und Schwindsucht war. Die Torfstecher standen mit Holzschuhen an den Füßen in einem Graben, der Torfkuhle, die meist mit braunem, übelriechendem Wasser knöcheltief angefüllt war. Um nicht im Moor zu versinken, hatten sie Bretter unter ihre Holzschuhe gebunden. Vor sich hatte der Torfstecher die 1 bis 2 Meter hohe Torfbank, die er abbauen sollte. Mit einem haarscharfen, schmalen, etwa 40 Zentimeter langen Spaten, trennte er von der Torfbank ziegelsteingroße Stücke ab und warf sie nach oben. Auf Schubkarren oder Pferdewagen wurden die Stücke dann weggeräumt und in Reihen zum Trocknen aufgebaut, was oftmals Kinder- oder Frauenarbeit war. Die Sonne entzog den Torfstücken das Wasser. Nach mehrmaligem Wenden waren die Soden bis zum Herbst völlig ausgetrocknet. Damit die im Torfabbau eingesetzten Pferde nicht im morastigen Moorboden versanken, band man ihnen sogenannte Torfschuhe um die Hufe. Diese Torfschuhe bestanden aus einer Sohle aus dickem Leder oder Eichenholz und einer ledernen Kappe. Die lederne Kappe, die auf die Sohle geschlagen wurde, umschloss den vorderen Teil des Hufes. Mit Hilfe eines Riemens, der einmal rund um den Schuh läuft, wurde dieser am Fuß des Tieres befestigt. Es gab aber auch Schuhe, die an den Hufen verschraubt wurden und somit die Auftrittsfläche vergrößerten. Eine dritte Variante, eher seltener anzutreffen, waren Torfschuhe aus Holz mit einer Hufführung aus Eisenstangen und Seilen zur Befestigung. Alle Modellvarianten sind im Heimatmuseum zu finden. Die Exponate stammen aus der Zeit um 1900.