Museumsverein Hohenwestedt e.V.

Stickschablone für Monogramme

Foto I. Köbke

Das Sticken von Monogrammen ist eine alte Handarbeitskunst, die heute wieder viele Anhänger findet.
Früher stickte man Monogramme auf alles, was zur Aussteuer gehörte. Diese feine, alte Kunst, die fast in Vergessenheit geraten ist, wurde in den letzten Jahren wieder neu belebt. Zur damaligen Zeit bevorzugten Handarbeiterinnen den Plattstich, heute verwenden die meisten den etwas moderneren Kreuzstich. Auch wird das Monogramm nicht mehr nur auf Bettwäsche aufgebracht, sondern auch auf kleine Säckchen, Geschirr- oder Gästetücher oder Servietten, um sie zu personalisieren und diesen als Geschenk eine liebevoll-persönliche Note zu geben.
Um einzelne Buchstaben oder Namen gerade, gleichmäßig und in der gewünschten Größe auf einen Stoff sticken zu können, benötigt man eine Schablone, mit deren Hilfe das Stickmotiv vorab auf den Stickgrund gezeichnet wird. Alte Stickschablonen (von frz. „èchantillon) sind vergessene Schätze. Diese meist aus Kupfer bestehenden Bleche haben die Frauen um 1900 zur Kennzeichnung und Verzierung ihrer Aussteuer (auch Mitgift genannt) benutzt.
Die Aussteuer bezeichnet Vermögen in Form von Gütern und Hausrat, die eine Braut mit in die Ehe bringt. Die Mitgift ( mittelhochdeutsch „mitegift“ : das Mitgegebene) ist eine kulturell festgelegte Form des Gabentausches anlässlich einer Heirat. Sie wird vom Vater der Braut an den Vater des Bräutigams oder direkt an das Ehepaar übergeben.
In Deutschland war es bis ins späte 20. Jahrhundert üblich, dass junge Frauen bis zum Zeitpunkt ihrer Heirat eine Grundausstattung an Gütern für den zukünftigen Haushalt angesammelt hatten. Diese als Aussteuer bezeichneten Güter bestanden häufig aus hochwertigen Heimtextilien, Essgeschirren und anderen im Haushalt benötigten Gegenständen, die meist in Form von Geschenken erworben und bis zur eigenen Heirat aufbewahrt wurden. Das Wortbestandteil „-steuer“ leitet sich ab vom althochdeutschen „stiura“ (Hilfe,Beihilfe). Die Aussteuer wurde in Menge und Qualität bei entsprechenden finanziellen Möglichkeiten ungefähr so gewählt, dass sie bis ins hohe Alter ausreichte. Diese Tradition verlor im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung und ist heute selten anzutreffen.


Die von Bernd Wilken( München) dem Museum aktuell geschenkte Stickschablone aus dünnem Zinkblech datiert aus dem Jahre 1905 und gehörte seiner Großmutter Helene Wilken, geb. Göttsche. Frau Wilken war die Tochter des Schuhmachermeisters Claus Göttsche (geb. 25.5.1856 in Hohenwestedt, gest. 6.10.1929) und seiner Ehefrau Trina Göttsche, geb.Alpen ( geb. 17.11.1859 in Puls, gest.2.2.1947), beide wohnhaft in Wapelfeld, unteres Dorf. Dort befand sich auch die Schuhmacherwerkstatt. Das Haus steht heute noch.


Helene Wilken lernte für 2 Jahre das Schneiderhandwerk für Damen und war dann selbständige Schneiderin, vorrangig tätig als „Störschneiderin“, d.h. sie reiste zu ihrer Kundschaft, meistens Bauern in der nächsten Umgebung. Dort erledigte sie für mehrere Tage alle anfallenden Schneider- und Näharbeiten.

In den Bauernhäusern gehörte zur Ausstattung der Bäuerin eine Nähmaschine. Bezahlt wurde sie in Naturalien u.a. Schinken und Getreide, Getreide für Schweine und Hühner, aber auch Getreide zur Herstellung von Malz-Getreide-Kaffee. An langen Winterabenden wurden beim Schein der Petroleumlampe Monogramme per Hand und unter Verwendung der Buchstabenschablone z.B. in die Aussteuer-Bettwäsche oder Handtücher gestickt.


Heutzutage werden noch Schablonen mit Buchstaben dazu verwendet, Bücher, Poesiealben, Bibeln zur Konfirmation, Briefbögen oder-karten, Kissen, Servietten oder Tischläufer zu kennzeichnen und sie als Geschenk zur Taufe oder Hochzeit oder für den Eigengebrauch zu nutzen.


Das Sticken ist eine textile Technik, bei der ein Trägermaterial (Stoff,Leder,Papier) mittels Durchziehen oder Aufnähen von Fäden verziert wird. Es gibt eine Vielzahl von Sticktechniken. Von den Chinesen von alters her gepflegt, war die Stickerei auch den alten Indern und Ägyptern bekannt. Diese gingen in ihren verzierenden Zeichnungen noch nicht über geometrische Formen hinaus, wogegen die Assyrer zuerst Tier- und Menschengestalten auf ihren glatt anschließenden Kleidern und Vorhängen zur Geltung brachten. Von ihnen lernten die Griechen und von diesen die Römer, welche die Stickerei „phrygische Arbeit“ nannten. Im Mittelalter wurde sie in den Klöstern im Dienste des Kultus für geistliche Gewänder und Altarbekleidung (Paramente) gepflegt. Ihre Arbeiten wurden vom 11. Jahrhundert an von arabischen Kunstanstalten übertroffen. Seltene Beispiele, wie ein deutscher Kaiserkrönungsmantel, zeugen noch heute von der Höhe der damaligen Stickereikunst. Mit der geistigen Bildung kam auch die Kunst des Stickens in weltliche Hände. Erst in England, später aber in Burgund erreichte sie im 14. Jahrhundert die höchste Ausbildung und ist seitdem langsam bis auf unsere Zeit ganz in Verfall geraten, wo auch sie an der allgemeinen Hebung des Kunstgewerbes ihren Anteil erhielt und jetzt eine verständnisvolle Pflege, zum Teil durch größere Ateliers ( Bessert-Nettelbeck in Berlin) findet.


Auf einem alten Bauernhof in Ostfriesland hat die passionierte Handarbeiterin Liselotte Heisterhagen in dreijähriger Arbeit das wohl größte Stickmustertuch ( beinahe 2x2 Meter) der Welt hergestellt. Dass sie vor etwas über zehn Jahren dann doch mit dem Stick-Virus infiziert wurde, hat sie einer Monogramm-Schablone zu verdanken:  „Diese wunderschönen alten Buchstaben haben mich so fasziniert, dass ich mich doch ans Nachsticken gemacht habe.“

Hellmuth Allais, Heimatmuseum Hohenwestedt